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Lernen und Familie
Angst vor Klassenarbeiten: Was Kindern wirklich hilft
Bauchweh am Morgen, kaum geschlafen, und in der Arbeit ist plötzlich alles weg: Prüfungsangst kennen viele Kinder und Jugendliche. Ein bisschen Aufregung ist normal und kann sogar helfen. Blockiert die Angst aber die Leistung, brauchen Kinder Unterstützung. Die gute Nachricht: Einige einfache Dinge helfen nachweislich.

- Prüfungsangst ist weit verbreitet und kein Zeichen von Schwäche.
- Die beste Vorbeugung ist Sicherheit: Wer den Stoff wirklich kann, hat weniger Angst.
- Üben wie in der echten Prüfung nimmt der Arbeit den Schrecken.
- Sorgen vor der Arbeit aufzuschreiben kann helfen, den Kopf freizubekommen.
- Hält die Angst lange an oder wächst sie, lohnt sich fachliche Hilfe.
Ein bisschen Aufregung ist normal
In der PISA-Studie 2015 gab im Schnitt der OECD-Länder mehr als die Hälfte der 15-Jährigen an, sich oft Sorgen zu machen, dass eine Prüfung schwer wird. Etwas Anspannung macht wach und konzentriert. Schwierig wird es, wenn die Angst so groß ist, dass das Gelernte in der Arbeit nicht mehr abrufbar ist, oder wenn ein Kind beginnt, Arbeiten und Schule zu meiden.
Woher die Angst kommt
Oft steckt Unsicherheit im Stoff dahinter: Wer merkt, dass er etwas nicht richtig verstanden hat, fürchtet die Arbeit zu Recht. Dazu kommen schlechte Erfahrungen wie ein Blackout bei der letzten Arbeit, hoher Erwartungsdruck oder die Sorge, andere zu enttäuschen. Im Körper zeigt sich die Angst als Herzklopfen, Bauchweh, Übelkeit oder schlechter Schlaf.
Was nachweislich hilft
- Den Stoff wirklich sicher machen. Die stärkste Hilfe gegen Angst ist Können. Lücken schließen, bevor die Arbeit kommt, und nicht erst am Abend davor.
- Sich selbst abfragen statt nur lesen. Wer übt, Gelerntes aus dem Gedächtnis abzurufen, behält es besser. In einer Untersuchung an Schulen in den USA gaben die meisten Schülerinnen und Schüler an, dass sie durch dieses Üben vor Prüfungen weniger nervös waren.
- Die Prüfung proben. Aufgaben unter ähnlichen Bedingungen lösen, mit Zeitlimit und ohne Hilfe. Dann ist die echte Arbeit keine fremde Situation mehr.
- Sorgen aufschreiben. In Versuchen der Universität Chicago schrieben Schülerinnen und Schüler vor einer Prüfung zehn Minuten lang ihre Sorgen auf. Danach schnitten sie besser ab, vor allem die besonders ängstlichen.
- Gut schlafen und normal essen. Eine durchgelernte Nacht schadet mehr, als sie nützt.
- Ruhig atmen. Langsames Ausatmen beruhigt den Körper. Das lässt sich vorher üben und in der Arbeit anwenden.
- Mit einer leichten Aufgabe beginnen. Ein schneller Erfolg nimmt die erste Anspannung.
Was Eltern tun können
- Die Angst ernst nehmen, ohne sie größer zu machen. „Ich sehe, dass du aufgeregt bist“ hilft mehr als „Stell dich nicht so an“.
- Den Wert des Kindes nicht an Noten knüpfen.
- Beim frühen Anfangen helfen, damit nicht alles auf den letzten Abend fällt.
- Nach der Arbeit über das sprechen, was gelungen ist, nicht nur über Fehler.
Wann Sie sich Hilfe holen sollten
Hält die Angst über Wochen an, weitet sie sich auf andere Situationen aus, klagt Ihr Kind über Bauchweh oder Schlafprobleme oder möchte es nicht mehr zur Schule, sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft oder der Beratungslehrkraft der Schule. Auch die Kinderarztpraxis und die schulpsychologischen Beratungsstellen in Baden-Württemberg sind gute Ansprechpartner. Nachhilfe kann Sicherheit im Stoff geben, eine Therapie ersetzt sie nicht.
Sicherheit gibt Ruhe
Wer den Stoff sicher kann, geht ruhiger in die Arbeit. Genau daran arbeiten wir in kleiner Runde, mit einem Plan bis zur nächsten Arbeit oder Prüfung. Mehr zur Prüfungsvorbereitung
Probestunde vereinbaren- OECD: PISA 2015 Results (Volume III). Students’ Well-Being, 2017.
- Ramirez, G., Beilock, S. L.: Writing About Testing Worries Boosts Exam Performance in the Classroom. Science 331 (6014), 2011.
- Agarwal, P. K., D’Antonio, L., Roediger, H. L., McDermott, K. B., McDaniel, M. A.: Classroom-Based Programs of Retrieval Practice Reduce Middle School and High School Students’ Test Anxiety. Journal of Applied Research in Memory and Cognition 3 (3), 2014.
