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Über Nachhilfe

Bringt Nachhilfe wirklich etwas? Was die Forschung sagt

Von Marlene Sperling · 31. Oktober 2026 · 6 Minuten Lesezeit

Diese Frage stellen uns viele Eltern, und sie ist berechtigt. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie die Nachhilfe gemacht wird. Die Forschung ist sich dabei erstaunlich einig, welche Dinge den Unterschied machen.

Eine Lehrerin liest mit einer Schülerin am Tisch in einem Buch
Kurz gesagt

Was internationale Studien zeigen

Eine große Auswertung aus den USA hat 89 Studien zusammengefasst, in denen Kinder zufällig einer Fördergruppe oder einer Vergleichsgruppe zugeteilt wurden. Das ist der strengste Maßstab, den die Bildungsforschung kennt. Das Ergebnis: Kinder mit gezielter Förderung lernten deutlich mehr als die Vergleichsgruppe, in Lesen und in Mathematik gleichermaßen. Am größten war der Effekt, wenn Lehrkräfte oder geschulte Fachkräfte unterrichteten, wenn die Kinder noch jünger waren, wenn die Förderung an mindestens drei Tagen pro Woche stattfand und wenn sie während der Unterrichtszeit lag.

Die britische Education Endowment Foundation, die Schulen in England in Fragen der Förderung berät, kommt zu einem ähnlichen Bild. Sie hat 62 Studien zur Förderung in Kleingruppen ausgewertet und rechnet mit rund vier Monaten zusätzlichem Lernfortschritt im Jahr, in Mathematik mit etwa drei. Für Einzelförderung nennt sie im Schnitt fünf Monate. Zur Gruppengröße schreibt sie: je kleiner, desto besser. Mit mehr als sechs oder sieben Kindern nehme die Wirkung spürbar ab. Genauso wichtig wie die Größe sei aber die Qualität des Unterrichts.

Was deutsche Studien zeigen

In Deutschland bekommt laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung etwa jedes siebte Schulkind zwischen 6 und 16 Jahren Nachhilfe. Am häufigsten in Mathematik, gefolgt von den Fremdsprachen und Deutsch. Und gut ein Drittel der Kinder mit Mathe-Nachhilfe nutzt sie, obwohl die Mathenote befriedigend oder besser ist.

Bei der Wirkung sind deutsche Studien zurückhaltender. Mehrere Untersuchungen haben Kinder mit und ohne Nachhilfe verglichen und im Durchschnitt keine besseren Noten gefunden. Eine Studie mit über 11.000 Zehntklässlern kam zu dem Schluss, dass Nachhilfe nicht pauschal als wirksames Mittel gegen schlechte Noten empfohlen werden kann. Wer seine Nachhilfelehrkraft als unterstützend erlebte, war aber mit der eigenen Situation in der Schule zufriedener.

Wie passt das zusammen? Die internationalen Studien untersuchen meist Förderung während der Schulzeit, die eng mit dem Unterricht verzahnt ist und oft an mehreren Tagen pro Woche stattfindet. Die deutschen Studien messen dagegen die übliche Nachhilfe am Nachmittag, in allen Formen. Wir nehmen daraus mit: Nachhilfe ist kein Selbstläufer und keine Notengarantie. Sie sollte am aktuellen Schulstoff ansetzen, regelmäßig sein und die Lücken gezielt angehen. Und sie zählt oft dort, wo Noten nicht alles zeigen: bei Sicherheit und Zufriedenheit.

Worauf Sie als Eltern achten können

Wie wir das im Schulhaus umsetzen

Bei uns sitzen höchstens vier Kinder an einem Tisch, mit fester Lehrkraft und festem Termin. In der ersten Stunde schauen wir in Ruhe, wo Ihr Kind steht, und arbeiten dann genau an diesen Stellen, auch wenn sie aus früheren Schuljahren stammen. Eine Notengarantie geben wir nicht, denn ehrliche Förderung braucht Zeit. Aber wir sagen Ihnen offen, was wir sehen und was wir vorhaben.

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Quellen
  1. Nickow, A., Oreopoulos, P., Quan, V.: The Promise of Tutoring for PreK–12 Learning: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Experimental Evidence. American Educational Research Journal, online 27.11.2023, doi:10.3102/00028312231208687.
  2. Education Endowment Foundation: Teaching and Learning Toolkit, Small group tuition, sowie Making a difference with effective tutoring, 2022.
  3. Klemm, K., Hollenbach-Biele, N.: Nachhilfeunterricht in Deutschland. Ausmaß, Wirkung, Kosten. Bertelsmann Stiftung 2016.
  4. Guill, K., Bos, W.: Effectiveness of private tutoring in mathematics with regard to subjective and objective indicators of academic achievement. Journal for Educational Research Online 6 (1), 2014.
  5. Guill, K., Lüdtke, O., Köller, O.: Assessing the instructional quality of private tutoring and its effects on student outcomes. British Journal of Educational Psychology 90 (2), 2020.
  6. Bayerisches Kultusministerium: Checkliste für Eltern zu Nachhilfeinstituten, 2010.
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