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Lernen und Familie

Ganztag ab Klasse 1: Warum Betreuung keine Förderung ersetzt

Von Marlene Sperling · 31. Oktober 2026 · 6 Minuten Lesezeit

Seit diesem Schuljahr haben Kinder, die in die erste Klasse kommen, einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz. Für viele Familien ist das eine große Erleichterung. Oft hören wir dann die Frage: Lernt mein Kind am Nachmittag eigentlich auch etwas? Die Antwort ist nicht so einfach, wie man denkt.

Grundschulkinder lernen gemeinsam an einem Tisch in der Schule
Kurz gesagt

Was der Rechtsanspruch regelt

Wer im Schuljahr 2026/27 oder später in die erste Klasse kommt, hat bis zum Beginn der fünften Klasse Anspruch auf Bildung und Betreuung im Umfang von acht Stunden an jedem Werktag. Die Unterrichtszeit wird dabei angerechnet. In den Ferien darf es eine Schließzeit von bis zu vier Wochen geben. Der Anspruch wächst Jahr für Jahr mit: 2027/28 gilt er für die Klassen 1 und 2, ab 2029/30 für alle vier Grundschuljahre.

In Baden-Württemberg kann der Anspruch über eine Ganztagsgrundschule, den Hort, die verlässliche Grundschule oder eine flexible Nachmittagsbetreuung erfüllt werden.

Wer am Nachmittag betreut

Die Menschen, die am Nachmittag mit den Kindern arbeiten, leisten viel. Es lohnt sich trotzdem, genau hinzuschauen, wer sie sind:

Ältere Schüler, die Jüngeren bei den Hausaufgaben helfen, sind eine schöne Idee. Die Begleitstudie zur Ganztagsschule hält aber auch fest, dass sie die Rolle von Lehrkräften nicht übernehmen können und sollen.

Was die Forschung über die Wirkung sagt

Die große Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen hat den Ganztag in Deutschland von 2005 bis 2019 begleitet. Gute Angebote können das Sozialverhalten stärken, und sie entlasten Familien. Generelle Wirkungen auf die Leistungen in den Fächern fanden die Forscher kaum. Gezielte Angebote wirkten dagegen, etwa eine eigene Leseförderung.

Eine Teilstudie hat Lernzeiten in der fünften Klasse genauer untersucht. Allgemeine Effekte auf Motivation und Lernergebnisse fanden sich kaum, positive nur dort, wo die pädagogische Qualität hoch war. Als Herausforderung nennt die Studie knappes Personal und dadurch oft große Lerngruppen.

Betreuung und Förderung im Vergleich

Hausaufgabenbetreuung im GanztagNachhilfe im Schulhaus
ZielHausaufgaben erledigen, verlässliche BetreuungLücken finden und schließen, auch aus früheren Schuljahren
WerBetreuungskräfte, Ehrenamtliche, oft ältere SchülerLehrkräfte, Studierende und erfahrene Quereinsteiger
Gruppeje nach Angebot; Jugendbegleiter-Angebote im Schnitt rund zwölf Kinderzwei bis vier Kinder
Inhaltwas gerade aufgegeben istwas Ihr Kind gerade braucht

Beides passt zusammen

Betreuung und gezielte Förderung erfüllen verschiedene Aufgaben. Viele Kinder gehen nach dem Unterricht in den Ganztag und kommen an einem oder zwei Nachmittagen zu uns. Die Zeiten stimmen wir gern so ab, dass beides gut zusammenpasst.

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Quellen
  1. § 24 Abs. 4 SGB VIII in der Fassung des Ganztagsförderungsgesetzes, gesetze-im-internet.de.
  2. Kultusministerium Baden-Württemberg: Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, km.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 31.10.2026.
  3. Kultusministerium Baden-Württemberg: Das Jugendbegleiter-Programm, Flyer vom 29.04.2025; Jugendstiftung Baden-Württemberg: Evaluationsbericht Jugendbegleiter-Programm 2022/23.
  4. StEG-Konsortium: Individuelle Förderung. Potenziale der Ganztagsschule. Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2016 bis 2019, 2019.
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